Die Geburt eines Kindes ist ein Moment voller Emotionen, Vorfreude – und manchmal auch Unsicherheiten. Viele werdende Mütter wünschen sich vor allem eines: eine positive, selbstbestimmte und möglichst angstfreie Geburt. Vor allem beim ersten Kind kommen viele Fragen auf, wie das gelingen kann. Kristin Graf hat „Die Friedliche Geburt“ entwickelt, ein Programm, das auf mentaler Geburtsvorbereitung und modernen Techniken basiert. Sie begleitet Schwangere dabei, ihren eigenen Weg zu mehr Gelassenheit und Kraft zu finden und das Schritt für Schritt und mit viel Einfühlungsvermögen. Im Interview erzählt Kristin, wie sie selbst zu ihrer Methode gefunden hat, warum mentale Stärke unter der Geburt so wichtig ist, und gibt jede Menge alltagstauglicher Tipps für werdende Eltern. Wir wünschen euch viel Freude beim Lesen!
Vorstellung von Kristin Graf – ”Die Friedliche Geburt”
1. Liebe Kristin, würdest du dich unseren Leserinnen einmal kurz vorstellen? Wer bist du und was ist deine Mission mit „Die Friedliche Geburt“?
Na klar, ich bin Kristin, und ich habe mich auf die mentale Vorbereitung auf Geburten spezialisiert. Klassische, hebammengeleitete Geburtsvorbereitungskurse sind ja bekannt, aber viele Schwangere wissen nicht, dass sie ihr subjektives Geburtserleben maßgeblich verändern können, wenn sie sich auch mental vorbereiten. Mir geht es bei der „Friedlichen Geburt“ darum, Trauma zu vermeiden, denn ich habe selbst beides erlebt, traumatische Geburten und eine Traumgeburt, und ich wünsche mir von Herzen, dass so viele Frauen wie nur möglich schöne Geburtserfahrungen machen, an die sie sich ihr Leben lang gerne erinnern.
2. Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Programm für mentale Geburtsvorbereitung zu entwickeln? Wo hast du deine Expertise in dem Bereich aufgebaut?
Die Idee kam mir tatsächlich WÄHREND meiner dritten Geburt. Ich war so beeindruckt, was ich durch die mentale Technik, die ich angewendet habe, für eine wunderschöne Geburt erleben konnte, und der Kontrast zu meinen ersten Geburten war so riesig, dass ich dachte, ich will das unbedingt anderen Frauen zeigen und beibringen. Gelernt habe ich diese mentale Technik schon als 19jährige, weil mich mein Bruder zu einem entsprechenden Seminar mitgenommen hat, und ich habe in meiner dritten Schwangerschaft diese Technik auf meine Geburt übertragen und dann auch angewendet. Mittlerweile habe ich natürlich darüber hinaus etliche Fortbildungen durchlaufen, aber der Kern meiner Methode ist nach wie vor der selbe.
3. Du bist auch Autorin, Podcasterin und hast auch schon im NDR über deine Methode berichtet. Was liegt dir besonders am Herzen, wenn es darum geht, Wissen über Schwangerschaft und Geburt weiterzugeben?
Mir liegt es sehr am Herzen, dass sich Schwangere nicht ausgeliefert fühlen. Mir selbst ging es nämlich so bei meinen ersten Geburten und auch schon davor. Meine erste Hebamme sagte, das Ausmaß an Schmerz ist individuell verschieden je nach allgemeiner Schmerzempfindlichkeit. Ich bin nun ein sehr schmerzempfindlicher Mensch, und mir hat das total Angst gemacht, ich dachte, ich kann nichts tun, und es wird wohl einfach schrecklich werden. Aber das stimmt nicht, wir haben super viel selbst in der Hand! Natürlich nicht alles, aber gerade in Hinblick auf das Schmerzerleben wirklich viel. Wir können das beeinflussen, wenn wir zuvor gelernt haben, wie das gelingen kann.
Kristin´s Methoden für ein positives Geburtserlebnis
4. Was unterscheidet deine Methode von der klassischen Geburtsvorbereitung?
Bei mir geht es nicht um körperliche Vorgänge oder um Säuglingspflege, sondern ich bringe eine Art mentales Training bei. Wenn du dir vorstellst, du würdest einen Marathon laufen müssen an Tag X würdest du ja zuvor dafür trainieren. Und das machen wir auch, nur nicht im sportlichen Sinn, sondern es ist ein sehr schönes und entspannendes Training. Die Teilnehmerinnen meines Kurses lernen, in Sekundenschnelle in einen tief entspannten Zustand bei gleichzeitig hoher Konzentration zu kommen, also in eine Art Superfokus. Sie üben, diesen Zustand zu halten und zurückzufinden, falls sie mal rausgekommen sind. Und dieser besondere Zustand in unserem Gehirn und Körper ist interessanterweise sehr entspannend und erholsam in der Schwangerschaft und sehr unterstützend bei der Geburt. Durch ihn verändert sich das Erleben von Zeit, Schmerz und Umgebung, und so kann die Geburt insgesamt viel angenehmer erlebt werden.
5. In deinem Kurs arbeitest du mit Hypnose. Kannst du uns ein bisschen erklären, wie diese Technik funktioniert und warum sie gerade unter der Geburt so hilfreich ist?
Na klar, das mache ich gerne. Meine Teilnehmerinnen lernen eine Selbsthypnosetechnik, die sie auch als von mir eingesprochene Audios hören können, sowohl in der Schwangerschaft, als auch bei der Geburt. Dadurch passieren zwei Dinge: zum Einen können wir durch diesen besonderen hypnotischen Trancezustand direkt mit unserem Unbewussten kommunizieren, weil ältere Hirnareale dadurch angesprochen werden, in denen unsere Gefühle gespeichert sind. Dadurch kann Angst zum Beispiel zur Vorfreude werden, was auch unser Geburtserleben positiv beeinflusst. Das konnten wir sogar in einer RCT Studie der Uni Jena nachweisen.
Zum anderen ist dieser hypnotische Zustand selbst extrem angenehm, wenn wir ihn während der Geburt abrufen, weil sich dadurch unser Geburtserleben positiv verändert. Wir können mit den Schmerzen viel besser umgehen, und manche Frauen berichten sogar von schmerzfreien Geburten. Das ist zwar nicht das Ziel meiner Arbeit, aber es zeigt sehr schön, was dieser hypnotische Zustand auslösen kann. Auch ich habe nach zwei extrem schmerzhaften Geburten so eine schmerzfreie Geburt erleben können, das war total beeindruckend.
6. Gibt es einen Mythos rund um Geburt oder Hypnose, den du besonders gerne auflösen würdest?
Oh ja, dass Hypnose irgendwas Fremdes, Merkwürdiges oder Esoterisches wäre. Das ist es nicht, es ist ein Zustand, in den wir alle mehrmals am Tag automatisch gleiten, zum Beispiel, wenn wir in unserem Handy versinken, Auto fahren oder Musik machen. Wir sind da nicht fremdgesteuert, sondern einfach in einer Art Flow- Zustand, in einem Hyperfokus. Auch bei Extremsituationen ruft unser Gehirn automatisch diese Superkonzentration ab, wie zum Beispiel bei einem Unfall, einem sportlichen Wettkampf oder eben auch bei der Geburt. Alle Säugetiere gehen von Natur aus in Hypnose bei der Geburt und erleben, wenn alles gut verläuft und sie nicht gestört werden, friedliche Geburten. So ist es eigentlich auch bei uns Menschen vorgesehen, aber wir werden abgelenkt durch unsere eigenen Gedanken, Ortswechsel, Fragen, die wir beantworten müssen. Dadurch werden wir ständig rausgerissen oder kommen gar nicht erst rein. Hypnose ist also nichts Magisches oder Künstliches, sondern ein natürlicher Zustand. Ich bringe lediglich bei, ihn willentlich abrufen zu können.

Erfahrungen und Tipps von Kristin Graf aus der Praxis
7. Viele Schwangere haben Ängste vor der Geburt. Was sind deiner Erfahrung nach die häufigsten Sorgen und wie kann man ihnen begegnen?
Die Ängste und Sorgen sind sehr individuell und kommen auf die Geschichte der Schwangeren an. Also was sie selbst erlebt hat, was sie an Geburtsgeschichten gehört hat und so weiter. Auch sexualisierte Gewalterfahrungen können zu Ängsten vor der Geburt führen, wir sind komplexe Systeme. Sich also die eigene Geschichte in Hinblick auf Geburt anzuschauen, ist sehr gut. Ich würde immer empfehlen, alle Gefühle ernst zu nehmen und sie nicht zu übergehen. Dafür gibt es hilfreiche Techniken, die auch in meinem Kurs vorkommen, und manchmal ist es auch sinnvoll, sich hier therapeutische Unterstützung zu suchen.
Wenn man nicht schwer traumatisiert ist, kann man einen ersten Schritt machen, indem man sich irgendwo hinsetzt oder hinlegt, die Augen schließt und das Gefühl einmal bewusst als Körperempfindung wahrnimmt. Was genau ist gerade da? Ein Druckgefühl in der Brust, eine Enge im Hals, eine Anspannung im Bauch? Wenn wir Gefühle beobachten, bleiben sie nicht, sie bewegen sich im Körper, verändern sich und können sich auch lösen. Ein nächster Schritt wäre, zu schauen, was sie uns sagen wollen, wo sie vielleicht herkommen. Ängste wollen uns zum Beispiel warnen und schützen, sie einfach zu übergehen ist daher nicht empfehlenswert. In der Schwangerschaft lassen sich Themen in der Regel übrigens besonders gut lösen, und wenn man unsicher ist, dann gerne auch mit therapeutischer Unterstützung.
8. Du hast schon über 38.000 Frauen mit deinem Online-Kurs begleitet. Wie sieht dein Online-Kurs aus und was können Schwangere bei einer Teilnahme erwarten? Gibt es ein Feedback oder Erlebnis einer Teilnehmerin, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Meinen Kurs kann man auch über meine App machen, und darin gibt es Videolektionen zum Erlernen der Selbsthypnosetechnik und über 60 Hypnosen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Sie haben alle die gleiche Tranceinduktion, also den gleichen Weg in die hypnotische Trance, und dadurch kann man mit jeder Hypnose üben und die auswählen, die gerade am besten zur Situation passt oder einem besonders gut gefällt. Die Schwangeren lernen also, den ganz natürlichen Zustand einer hypnotischen Trance absichtlich abzurufen, sodass es auch in herausfordernden Situationen möglich ist. Die meisten Teilnehmerinnen verlieren durch die Hypnosen ihre Ängste vor der Geburt und freuen sich sogar irgendwann richtig darauf. Das Risiko einer traumatische Geburtserfahrung ist sehr viel geringer als ohne die Methode.
Ich habe auf meiner Website über 1000 schriftliche Geburtsberichte, und ich kann nicht sagen, welcher mich am meisten beeindruckt hat. Vor ein paar Tagen habe ich aber über eine Geburt draußen vor der Klinik im Schnee gelesen. Die Frau war zu spät losgefahren, was übrigens extrem selten passiert. Während ihr Mann ins Krankenhaus gerannt ist, hat sie ganz entspannt und glücklich ihr Baby geboren und die Stille und Dunkelheit der Nacht genossen. Sie hat sich selbst ihr Kind auf den Bauch gelegt und mit ihrer kleinen Tochter gesprochen, ihr von der Welt erzählt. Dieser Bericht ist so schön, und beim Lesen spürt man, dass genau dieser Moment da draußen in der Nacht alleine das Schönste für die Mutter war, das hat mich wirklich tief berührt. Das finde ich sehr beeindruckend, wie eine Geburt, die sie sich natürlich zuvor nicht so gewünscht hätte, am Ende ihre absolute Traumgeburt sein konnte…
9. Was rätst du Frauen, die gerade frisch schwanger sind und sich ein positives und angstfreies Geburtserlebnis wünschen?
Toll ist es, wenn ihr euch mit positiven Geburtsberichten umgebt, sie lest oder vielleicht auch Interviews in meinem Podcast hört. Von der positiven Erfahrung anderer Frauen könnt ihr so viel lernen, und das beeinflusst auch euren Blick auf Geburt und kann Ängste nehmen. Und dann würde ich mich mental auf die Geburt vorbereiten, erstmal vielleicht auch mit dem Podcast und dann entscheiden, wo ich eine Selbsthypnosetechnik lernen möchte. Sympathie ist hier wichtig, dass ihr die Stimme mögt, dass es nur einen einzigen Weg in die Hypnose gibt, den ihr immer wieder üben könnt und nicht mehrere unterschiedliche. Fragt euch nicht, OB ihr eine mentale Geburtsvorbereitung machen möchtet, sondern vielmehr bei WEM. Das ist wirklich mein großer Wunsch, dass mentale Geburtsvorbereitungskurse hoffentlich bald ganz normal sind und alle Frauen erreichen.
10. Wie können sich Partner oder Partnerinnen in die friedliche Geburtsvorbereitung einbringen?
Am Effektivsten ist es, wenn der Partner oder die Partnerin mitmacht und auch Hypnosen hört und ausprobiert. Es gibt in meinem Kurs dafür auch spezielle Aufnahmen, und meine Erfahrung ist, dass dadurch intuitiv klar wird, wie sie ihre Partnerin bei der Geburt wirklich unterstützen können. Es gibt auch ganz praktische Tipps und Tools, wie zum Beispiel das Setzen hypnotischer Anker, aber ich finde, dass es am meisten bringt, wenn man selbst diesen Zustand kennenlernt.
11. Wir sind als Papeterie Unternehmen natürlich ganz neugierig, welches unserer Designs dich ganz besonders anspricht. Welches Geburtskarten Design von Kartenliebe gefällt dir besonders gut?
Oh das ist gar nicht so leicht, weil ihr so eine Vielfalt an unterschiedlichen Designs zur Verfügung stellt. Ich mag es sehr, dass ihr generell eher sanfte Töne nutzt und man es sich genau so gestalten kann, wie es einem besonders gut gefällt. Ich bin selbst Fan von gutem Papier, und da habt ihr ja auch eine tolle Auswahl. Mir gefällt vom Design her „Flower Maedow“ besonders gut.

12. Zum Abschluss: Was möchtest du allen werdenden Eltern da draußen mit auf den Weg geben?
Dass es ein großes Abenteuer ist, wenn ein Baby auf die Welt kommt, ein wunderschönes und gleichzeitig auch super anstrengendes Abenteuer. Es ist wohl eine der größten Veränderungen, die es so geben kann im Leben, und man bleibt, egal was kommt, sein Leben lang Mutter oder Vater. Ich finde, die Geburt gut vorzubereiten wichtig. Wichtiger, als die Hochzeit gut vorzubereiten, weil die Geburt unglaublich prägend ist für die ganze Familie. Und diese Vorbereitung kann auch eine Chance sein, mit sich selbst tiefer in Kontakt zu kommen, sich selbst besser kennenzulernen, die Partnerschaft zu stärken und schon in der Schwangerschaft die Beziehung zum Kind aufzubauen. Das alles hilft nicht nur für die Geburt, sondern kann schon Wochen und Monate vorher beginnen, und je mehr wir diesem inneren Prozess Aufmerksamkeit schenken, desto sanfter ist dann der Übergang, wenn unser Baby wirklich auf die Welt kommt. Ich wünsche allen werdenden Eltern diese Verbundenheit mit sich selbst und den anderen Menschen in ihrer gerade wachsenden Familie. Und natürlich positive, stärkende und friedliche Geburten!
Liebe Kristin, von Herzen vielen Dank für deine Zeit und das tolle Interview! Wir wünschen dir, dass deine wertvolle Arbeit noch viele Frauen auf ihrem Weg zu einer friedlichen Geburt begleiten wird!
Unsere Bestseller-Sets





